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Klagemauer und Felsendom

Heute „erklommen“ wir den Tempelberg. Durch die jüdischen Feiertage des Laubhüttenfestes war ein regelrechter Trubel in der ganzen Stadt und als wir an dem Platz vor der Klagemauer ankamen, war fast vor lauter Menschen, Hüten und Kippas keine Mauer mehr zu sehen. Wir beschlossen erst einmal durch den 2. Checkpoint hinauf zum Tempelberg zu gehen, wo wir zunächst vor der Al-Aqsa-Moschee standen und ein Stückchen weiter vor dem Felsendom mit der prächtigen goldenen Kuppel.
Es ist schon ein enorm großer und faszinierender Ort, an dem etliche moslemische Gruppen, sowohl Frauen als auch Männer – natürlich voneinander getrennt, unter schattenspendenden Bäumen sitzen und in Gebeten versunken sind. Alles ist still und friedlich – für den Moment.

Schon im nächsten Augenblick hörte man plötzlich ein Rufen zunächst eines einzelnen Moslimen, das sich durch eine 2., 3. und 4. Stimme verstärkte. Ich hörte, wie sie „Allahu Akbar!“ (Gott ist Groß) riefen. Als ich mich umdrehte, sah ich, warum: eine Gruppe von Juden, umgeben von beschützenden Soldaten, war auf den Tempelberg gekommen und überquerten den Platz.
Mittlerweile schien der ganze Platz zu rufen, immer eindringlicher und heftiger – sie schrien immer und immer wieder „Allahu Akbar! – Allahu Akbar!“ Gänsehaut überkam uns und wir standen ganz erstarrt; dachten, jeden Moment fällt ein Schuss! Doch glücklicherweise verebbte die explodierende Stimmung genauso schnell wie sie aufkam, denn die jüdische Gruppe war schnell aus dem Blickfeld verschwunden.

Wir erkundeten den Tempelberg weiter und kamen an eine Stelle, von der aus man einen wunderbaren Blick auf den gegenüberliegenden Ölberg hatte.

Wir zogen eine Etage tiefer zur Klagemauer, die strikt aufgeteilt ist in einen großen Bereich für die Männer und einen kleineren für die Frauen.
Etliche Frauen standen auf Stühlen, damit sie über den abgetrennten Bereich schauen konnten, um an Feierlichkeiten der Familie, die auf der anderen Seite stattfand, teilzuhaben. Die Frauen waren regelrecht abgegrenzt und isoliert.

Um ganz nah an die Klagemauer zu gelangen, mussten wir uns ein wenig durchkämpfen, denn die Menschenansammlung war enorm! Die Gebetszettel, die wir vorher geschrieben hatten, steckten wir nun in eine kleine Spalte der Mauer und versuchten uns für einen Moment der inneren Ruhe zurückzuziehen.

Das auf uns einprasselnde Getöse und die sengende Hitze veranlassten uns, diesen Ort zu verlassen und wir tauchten zunächst in dunkle und stille Gassen unter und stillten dann Hunger und Durst bei „unserem“ netten Jacob! Nachdem wir nun neue Energie getankt hatten, waren wir bereit für die nächste Exkursion: Der Ölberg!

Da der Aufstieg zu Fuß bei diesen Temperaturen ziemlich beschwerlich war, ließen wir uns ganz bequem mit einem Taxi dorthin bringen. Von der höchsten Stelle des Ölbergs hatten wir einen traumhaften Blick auf den Tempelberg und die Jerusalemer Altstadt!

Dieser Anblick ist mittlerweile tief verwurzelt – die hellen Gräber, die in der Sonne glitzern; gegenüberliegend die goldene Kuppel, die sich prachtvoll und majestätisch über alles erhebt und am Abend bei Sonnenuntergang immer noch leuchtet – es ist einfach phantastisch und gewaltig! Man möchte diesen Moment auf ewig festhalten!

Gemächlich liefen wir wieder hinunter und erreichten die Dominus Flevit Kirche (Haus der Tränen). Die nächste Station war der Garten Gethsemane mit der Kirche der Nationen oder auch Todesangstbasilika. Hier hat Jesus im Bewusstsein des Bevorstehenden gebetet, bevor er von Judas verraten wurde; die nach dem Evangelisten Lukas 22,44 EU überlieferte Stelle: „Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.“ Der Innenraum der Kirche ist recht düster, blickt man jedoch zur Decke, erstreckt sich ein wundervoll blauer Baldachin und es scheint, als stünde man unter freiem Himmel!

Dominus Flevit
im Garten Gethsemane
Kirche der Nationen

Mittlerweile waren wir am Fuße des Ölbergs angekommen. Der Verkehr und die Hitze wirkten wie ein dampfender Kessel und statt durch das Kidrontal zurückzulaufen hinauf zur Altstadt, genehmigten wir uns noch einmal ein Taxi!  :-))

Den Tag ließen wir ausklingen, indem wir uns ans Jaffa Tor setzten, die letzten Strahlen der Sonne genossen und dem Treiben der jüdischen Bevölkerung frönten.

Jaffator mit Davidsturm
Kategorien: Jerusalem

3 Kommentare

Lucas Becker · Juni 28, 2020 um 11:10 pm

Danke für den wertvollen Artikel! Sehr cooler Blog.

    Samy · Juli 25, 2020 um 7:19 am

    Danke! Ich denke immer wieder gerne an den Urlaub zurück und die tollen, auch magischen Momente! Am liebsten würde ich auf der Stelle wieder nach Israel reisen, doch im Augenblick zu Corona Zeiten ist es ja leider nicht möglich. Meine Liste von Orten dort, die ich dringend noch sehen muss, wird immer länger!

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